Ausstellung
„Kurvenkleber – Haftung. Haltung. Raum.“ nimmt Fußballaufkleber als eigenständige Ausdrucksform von Fankultur, visueller Kommunikation und der Aneignung öffentlichen Raums ernst.
Ausgangspunkt ist eine Sammlung von mehr als 10.000 Aufklebern aus unterschiedlichen Vereinen, Fanszenen, Städten und Ländern. Rund zwei Drittel werden im Original gezeigt, weitere Motive digital erschlossen und über Projektionen sichtbar gemacht.
Die Ausstellung gliedert sich in drei miteinander verbundenen Perspektiven: Haftung, Haltung und Raum. Sie verbinden historische, fankulturelle, rechtliche, politische und stadträumliche Fragen mit Originalobjekten, Fotografien, Installationen, Projektionen und partizipativen Formaten.
„Haftung“ richtet den Blick auf den Aufkleber selbst und auf die Kultur, die ihn umgibt. Wie entstehen Fußballsticker? Wer gestaltet, produziert, sammelt und tauscht sie? Welche Bedeutung haben sie für Fans und organisierte Fanszenen? Und welche rechtlichen oder finanziellen Folgen kann das Kleben haben?
Die Ausstellung schlägt dabei einen Bogen von der Geschichte des Aufklebers über Panini und Sammelkultur bis hin zur heutigen Fan-Sticker-Praxis. Einblicke in Herstellung, Tausch und Nutzung machen verständlich, wie vielseitig das Medium funktioniert. Stimmen aus Fanszenen und Fansozialarbeit ergänzen diese Perspektive.
Konkrete Rechtsfälle thematisieren mögliche Folgen. Eine großformatige Collage zeigt zugleich die kreative Seite der Stickerkultur: Motive aus Film, Musik, Werbung und Internetkultur werden verändert, neu zusammengesetzt und in fankulturelle Zusammenhänge übertragen.
„Haltung“ beschäftigt sich mit Botschaften, Positionierungen und Konflikten. Fußballaufkleber können Solidarität, Protest und gesellschaftliches Engagement zum Ausdruck bringen, ebenso aber Feindbilder, diskriminierende Sprache, Gewaltästhetik oder extremistische Codes transportieren.
Die Ausstellung ordnet diese Widersprüche ein, ohne Fankultur pauschal zu romantisieren oder zu problematisieren. Besonders sensible Inhalte werden bewusst geschützt präsentiert und fachlich kontextualisiert.
Gleichzeitig wird in diesem Bereich deutlich, dass Fanszenen selbst gesellschaftliche Debatten führen. Initiativen gegen Diskriminierung, für Erinnerung, Solidarität und gesellschaftliches Engagement veranschaulichen, dass Sticker auch als Medium von Haltung und Kritik funktionieren.
„Raum“ demonstriert, wo und wie Fußballaufkleber verwendet werden. Sie tauchen rund ums Stadion auf, an Bahnhöfen, Straßenecken, auf Auswärtsrouten und an anderen Orten. Durch Überkleben, Entfernen und Ergänzen entstehen dichte visuelle Schichten, in denen Rivalität, Zugehörigkeit und Präsenz ersichtlich werden.
Eine Fotoreihe dokumentiert sogenannte Materialschlachten in verschiedenen deutschen Städten. Eine Deutschland- und eine Weltkarte veranschaulichen die geografische Breite der Sammlung. Originalobjekte aus Stadion und Stadtraum, beklebte Oberflächen und digitale Projektionen lassen erkennen, wie Sticker physische und digitale Räume zugleich prägen.
Mehr als eine klassische Ausstellung
„Kurvenkleber“ verbindet Anschauen, Entdecken und Mitmachen. Besucher*innen können große Teile der Sammlung durchblättern, Sticker tauschen, ihr Wissen über Motive und Codes testen und unterschiedliche Perspektiven auf die Stickerkultur kennenlernen.
Im Mittelpunkt steht dabei nicht die möglichst vollständige Präsentation einer Sammlung, sondern das Zusammenspiel von Originalmaterial, räumlicher Inszenierung, kritischer Einordnung und Beteiligung.

Haftung. Haltung. Raum.
Fanprojekt Berlin
Stichwort: „Kurvenkleber“
Cantianstraße 25
10437 Berlin
